Skizze von Fuchs, Frosch, Gesicht und Bäume

GEH SPIELEN!

Was Lakota-Indianer, Biohacker und moderne Forscher an Wölfen fasziniert.

Stephanie-Marie Müller
Personalentwicklerin, Biohacker, Community & Connection Coach

Lesezeit: 7 min

Biohacking Bad Dürrheim - Community & Connection

Der Wolf – faszinierende Wildheit und fürsorgliches Rudeltier

Es war einmal vor langer, langer Zeit… so beginnen viele Erzählungen, in denen die Menschheit ihre Faszination über Wölfe in Geschichten erzählt. Der Wolf symbolisiert sehr unterschiedliche – sogar kontroverse – Eigenschaften. Von angsteinflößend beschriebenen Kreaturen, wie Wehrwölfen, den Menschen die sich in Wölfe verwandeln und unsere Urängste triggern – bis hin zu Erzählungen über Wölfe, die menschliche Waisenkinder in ihr Rudel und Erziehungssystem aufgenommen haben. Und natürlich kümmern sich heute Wildbiologen und andere Fachleute um das „Wolfsmanagement“ europäischer und nordamerikanischer Wölfe.

Grauer Wolf steht zwischen Bäumen
Wölfe regulieren das Verhalten des Wildes: Hirsche und Rehe wandern in Wolfsrevieren mehr umher und richten weniger Schaden an den Trieben der Bäume von Schutzwäldern an. So wird Erdrutschen und Lawinen auf natürliche Weise vorgebeugt, wie Fachleute vom Schweizer Verein CH.Wolf berichten.****

„Bewildering“ – verblüffend, unsere wilden Verwandten

Wölfe sind Wesen mit großem Familiensinn und ausgeprägtem Sozialverhalten. Und sie sind uns Menschen viel näher als vielerlei andere Arten. Nicht umsonst ist der beste Freund des Menschen, der Hund, der Nachfahre des Wolfes. Und Wölfe sind uns in vieler Hinsicht ähnlicher als beispielsweise der Affe, der uns doch genetisch näher ist. Das ist „bewildering“ – etwas erstaunlich und schon fast verwirrend, oder?

Biohacking Bad Dürrheim – Warum wir uns für Wölfe interessieren?

Wölfe stehen für zwei Aspekte, die wir von BHBD lieben: Erstens die gesunde Wildheit und die Harmonie mit der Wölfe in ihrem Ökosystem leben. Für uns eine tiefe Erinnerung und Inspiration, um uns wieder mit unserer inneren Natur und mit der äußeren Natur, der natürlichen Mitwelt zu verbinden. Auswildern heißt für uns natürliche Biohaker*innen, dass wir wichtige Urinstinkte wieder stärken, die wir in unserer naturfernen Zivilisation vergessen haben. Etwa ein gesundes Gefühl für Hunger und Sattheit, für Aktivität und Ruhe oder für unsere biologische Uhr. Unser Ziel als Biohacker*innen: Natürliche, gesunde Lebenssituationen zu schaffen, um mit der Kraft der Natur glücklicher, besser eingebunden und leistungsfähiger zu leben.

Skizze von Fuchs, Frosch, Gesicht und Bäume
Instinktiv spüren wir, dass wir ein Teil der Natur sind. Die Illustrationen des Grafik Designers und Illustrators Christoph Mehl fangen das exklusiv für #BiohackingBadDürrheim ein. Die Kraft des natürlichen Biohacking liegt in uns und in der wilden Natur, die uns umgibt.

Das zweite Element, das uns an den Wölfen besonders beeindruckt, ist ihr ausgeprägtes Sozialverhalten und ihr Familiensinn. Wolfsforscher wie Shaun Ellis* und Farley Mowat** haben uns erstaunlich fürsorgliche Seiten der Wölfe zugänglich gemacht, die nichts mit dem bösen Wolf der Grimms-Märchen zu tun haben. Wolfsrudel erziehen ihre Jungen und geben Wissen und „wölfische Kultur“ an sie weiter. Erwachsene Wölfe erziehen außerdem nicht nur die Jungen, sondern kümmern sich auch fürsorglich um ihre Alten und Kranken.

Skizze eines heulenden Wolfs
Wölfe sind uns Menschen ähnlicher als viele andere Tierarten. Sie haben ein ausgeprägtes Sozialverhalten und viel Sinn für Familie.

Die Wolfsforscherin und Autorin Radinger verbrachte viele Wochen und Monate – auch in kalten Wintern – mit der Beobachtung wild lebender Wolfsrudel in Nordamerika. Ihr Buch “Die Weisheit der Wölfe”*** wurde zum weltweiten Bestseller und in 17 Sprachen übersetzt.

Was wir Menschen vom Wolf lernen können

„What would Wolf do?“ – Diese Frage stellt sich die Wolfsforscherin Radinger oft für ihr eigenes Leben. Sie hat sich außerdem vier Grundregeln bei den Wölfen abgeschaut, die sie in ihrem eigenen Leben erfolgreich anwendet:

  1. Kümmere dich um deine Familie. 
  2. Sorge gut für die, die dir anvertraut sind. 
  3. Höre niemals auf zu spielen. 
  4. Gib niemals auf. 

Moderne Führung: Das kluge Rudel-System

Lange haben wir die Hierarchie im Wolfsrudel als starr und einengend betrachtet. Moderne Wolfsforscher dagegen beobachten, dass die Rangordnung und die überschaubare Größe eines Wolfsrudels es erlauben, individuelle Kulturen zu entwickeln. Ein Wolfsrudel besteht aus 3-20 Mitgliedern und das soziale System scheint keine starre Form zu haben, sondern besteht aus verschiedenen „Kompetenz-Zentren“.

Alphawölfe und Friedensstifter

Die Kompetenzzentren im Rudel erfüllen unterschiedliche, sich ergänzende Aufgaben. So sind zum Beispiel nur das Alpha-Weibchen und -Männchen dafür zuständig, die Jungen zu bekommen. Danach gibt es ein Beta-Pärchen, das die Kommunikation zum Rudel aufrechterhält und als Kundschafter tätig ist. Die Omega-Klasse hat dagegen die wichtige Rolle, als Friedensstifter aufzutreten. Während Wolfsforscher*innen früher vermuteten, dass die „Omegas“ in der Rangordnung ganz unten stünden. Der Grund: Bei der Beute bekommen sie zuletzt etwas zu essen. Was moderne Forscher/innen nun entdeckten ist, dass die Beta-Wölfe bereits vorab die Ration der Omega-Kollegen verteidigt haben – und zwar immer mit besonders guten Fleischstücken. Ihre harmoniestiftende Fähigkeit wird also wertgeschätzt – und sie sind befreit vom nervigen Wettstreit um die Filetstücke der Beute.

Grauer Wolf steht über seinem Jungen
Wer die Jungen erziehen darf, bestimmt das Alpha-Weibchen in einem Rudel.

Diese neue Erkenntnis über den Status der Omega-Wölfe lässt vermuten, dass es weitere unbekannte Regeln und Aspekte in der Sozialstruktur von Wolfsrudeln gibt und dass die Communities der Wölfe noch weitaus komplexer sind als wir bisher wissen.

Die bessere Firma: Community-Kultur im Rudel

  • Die Erfahrung der Alten und die Weisheit der Frauen werden als der Schatz eines Rudels wertgeschätzt – Die Leitwölfin hat oft das letzte Wort.
  • Der „Leitwolf“ ist in Wirklichkeit immer ein Paar, als Team.
  • Kooperation statt Dominanz: Der Erfolg des Rudels hängt von der Fähigkeit aller zur Kooperation ab. Man arbeitet als Familienunternehmen geschickt zusammen – zum Wohle aller.
  • Die Stärkeren kümmern sich um Ältere und Schwächere.
  • People Manager: Ausgewählte Ältere übernehmen gemeinsam die Ausbildung der Jungen – diese Lehrer werden von der Alpha-Wölfin bestimmt.
  • Nur das Alpha-Paar vermehrt sich, die anderen bilden – anders als in einer menschlichen Kleinfamilie – das hilfreiche Support-System.

Pragmatische Kooperation im Ökosystem

Natürlich ist der Wolf ein Fleischfresser und Beutegreifer und kein zahmes Haustier. Aber – anders als bei uns Menschen – sind Wolfsrudel Teil ökologischer Netzwerke. Wie bei der Symbiose von Pilzmyzelen und Waldbäumen. So leben viele Wolfsrudel in einer pragmatischen Kooperation mit Raben im gleichen Naturraum. Mit ihrem Überblick aus der Luft entdecken Raben verwundete oder kranke Beutetiere frühzeitig und zeigen den Wölfen durch ihr Verhalten an, wo die Tiere sind. Wenn die Wölfe dann im Rudel ein Tier gerissen haben, können die Raben von den zerkleinerten Fleischstücken profitieren.

Biohacking: Schöpfe das beste aus der Vielfalt

Die Lakota Indianer (von den Europäern „Sioux“ genannt“) schätzen den Wolf traditionell als Vorbild, wegen seiner Loyalität zu Familie und Stamm. Wie in Wolfsrudeln entstehen international und dezentral Gruppen von Biohacker*innen.

Die weltweite Biohackingszene wächst und befasst sich mit vielfältigen Themen und Philosophien. Wie in einem Wolfsrudel entstehen Vorbilder und Kompetenzzentren zu verschiedenen Themen. Diese gewinnen zunehmend an Reichweite, bis sich Untergliederungen und neue Gruppen bilden – ähnlich den Wolfsjungen, die ihr Rudel verlassen, wenn sie genug gelernt haben, um neue eigene Wege zu gehen.

Skizze eines heulenden Wolfs in blau
„Those who cannot howl will never find their pack“ – Wer nicht heulen kann, sich also nicht mutig zeigt, wie er oder sie wirklich ist, wird sein wahres „Rudel“, die Menschen die zu ihm passen, nicht finden. Das schreibt Clarissa Pinkola-Estés in ihrem Buch „Die Wolfsfrau“, einem Standardwerk der archetypischen Psychologie.

Unser Entdeckerpotential als „streunender Wolf“

Ergänzend zum traditionellen Gesundheitssystem bietet Biohacking individuelle Wege und neue Lösungen. Jeder Mensch und jede Lebenssituation sind einzigartig. Daher macht es Sinn, dass wir uns von Zeit zu Zeit mal in die Entdeckerrolle des „streunenden, einsamen Wolfes“ begeben, um wertvolle neue Wege oder sogar ein neues Rudel zu finden oder eines zu gründen.


*Shaun Ellis: Der Wolf (2015), Parragon Verlag und sein Wolf & Dog Development Center

**Farley Mowat: Ein Sommer mit Wölfen (2007), rororo Verlag

***Elli H. Radinger: Die Weisheit der Wölfe: Wie sie denken, planen, füreinander sorgen. Erstaunliches über das Tier, das dem Menschen am ähnlichsten ist (2017), Ludwig Verlag

***Verein CH.Wolf und dessen Partnerorganisationen

Bildquellen: GRAFIKCHAOS | Grafikdesigner, Unsplash / M L / Hans Veth, Depositphotos / AnnaNenasheva / Olga Angelloz

Autor*in

Stephanie-Marie Müller
Personalentwicklerin, Biohacker, Community & Connection Coach

Autor*in

Stephanie-Marie Müller
Personalentwicklerin, Biohacker, Community & Connection Coach

„Community & Connection“ – Gemeinschaft und Verbundenheit waren schon immer zentrale Themen in ihrem Leben. Erst in der Großfamilie und einem sehr engagiertem Vereinsleben und später als Personalentwicklerin. Die Entwicklungshelferin schlief in Bangladesch und Thailand Monate auf dem harten Boden einer Hütte – kein Problem für die Biohackerin, die in halb zugefrorenen Seen schwimmt und als DLRG-Rettungsschwimmerin locker 50 Meter taucht. Ihr Credo: Empathie ist eine Superpower. Sie ist der Schlüssel zum Erfolg – auch in komplexen, internationalen Teams - und das Fundament für starke Beziehungen und Gemeinschaften. Stephanie-Marie wurde ausgezeichnet mit dem VSO international Volunteer Award 2017.